Dr. Michael Blume referierte in der Ehemaligen Synagoge in Heinsheim

30.09.2020

„Antisemitismus im neuen Kleid“

Zu Beginn gibt es sogar ein Grußwort aus Berlin. Lea Rosh, die bedeutende Mentorin des Berliner Denkmals für die ermordeten Juden Europas entrichtet Worte des Dankes für eine nicht alltägliche Veranstaltung, die offensichtlich auch in der Bundeshauptstadt bemerkt wird.

Auf Initiative des CDU Stadtverbandes Bad Rappenau, dem Katholischen Bildungswerk Bad Rappenau und Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch setzt sich ein sichtlich ergriffenes Publikum in der Ehemaligen Synagoge von Heinsheim mit einem Thema auseinander, das nach Meinung seines renommierten Referenten eigentlich gar nicht existieren sollte - genauso wenig wie seine Funktion als Beauftragter der Landesregierung Baden-Württemberg gegen Antisemitismus.

Wenn Michael Blume, promovierter Religionswissenschaftler und Referatsleiter für nicht christliche Religionen im Staatsministerium Baden-Württemberg, über seinen beruflichen Werdegang spricht, wird schnell deutlich, wie sehr „Antisemitismus im neuen Kleid“ in jüngster Vergangenheit an Aktualität gewonnen hat. „Noch vor wenigen Jahren hätte ich mir nicht träumen lassen, dass wir die Stelle eines Antisemitismusbeauftragten schaffen müssen, geschweige denn, dass ich das sein würde“, erinnert sich Blume, der - evangelischer Christ, verheiratet mit einer Muslimin und als Religionswissenschaftler nicht nur mit der jüdischen, sondern gleichermaßen auch mit der islamisch arabischen Welt vertraut - über die Fähigkeit verfügt, sein Publikum nicht nur lehrreich, sondern auch überraschend unterhaltsam einzubinden. Da ist die Rede von den Ursprüngen des Antisemitismus in der Antike als Reaktion auf die des Lesens und Schreibens mächtigen jüdischen Gemeinden als Merkmal derer „Andersartigkeit“. Oder die Herleitung der unterschiedlichsten Ressentiments gegenüber dem Judentum nicht nur in der arabischen Welt. Wenn Blume mit federleichter Eloquenz die Zusammenhänge antisemitischen Denkens und Handelns entlarvt, entpuppen sich die bisweilen mitleidig belächelten Verschwörungstheorien auf Corona-Demonstrationen und sozialen Medienplattformen als durchaus gefährliche Brandbeschleuniger.

Unter der Moderation von Dr. Michael Preusch, dem CDU-Landtagskandidaten für den Wahlkreis Eppingen bringen es Friedlinde Gurr-Hirsch mit dem Hinweis auf das sich demnächst jährende Attentat von Halle a.d. Saale wie auch Bad Rappenaus OB Sebastian Frei mit seiner Forderung, dass das Existenzrecht Israels nicht verhandelbar sei, auf den Punkt: der aktuelle Antisemitismus bedroht nicht nur jüdisches Leben in Deutschland - er bedroht uns alle.

Eine Veranstaltung, wie man sie sich häufiger wünschen würde. Wäre nur der Anlass dafür nicht so beschämend.